Aus dem Tagebuch einer Trierpilgerin


Das Sanktöniser Pilgerkreuz

Alles begann 1996 in einem Schwimmbad.

Während eines Schwimmwettkampfes in Dortmund erfuhr ich von der bevorstehenden Wallfahrt der St. Mathias Bruderschaft St. Tönis nach Trier.

Nach Trier pilgern, davon hatte ich schon viel gehört, und somit war ich sehr neugierig: Was passiert auf den Pilgerpfaden in der Eifel ?


Kloster Himmerod

Also fragte ich den Brudermeister Richard Jacobs um Erlaubnis mitpilgern zu dürfen. Vier Tage hierzu einplanen, war machbar.

Mit frisch geputzten Wanderschuhen stand ich 1996 an einem Donnerstagmorgen an der Kirche in Sankt Tönis.

 

Nach der Messe fuhr uns ein Bus zum Gemündener Maar. Hier beginnt der Weg. Zunächst über den Lieserpfad zum Kloster Himmerod.


Trotz Regen strahlende Gesichter

Übernachtet wird permanent an allen Tagen in Dodenburg, einem kleinen verschlafenen Nest in der Eifel. Weiter am nächsten Tag führte der Weg von Himmerod nach Dodenburg. Der 3. Tag ist dann der Premiumtag, er führt von Dodenburg bis Trier.

Die Wallfahrt findet jedes Jahr im Mai statt. Die Natur in der Eifel zeigt sich in dieser Zeit von der prächtigsten Seite. Waldveilchen, Löwenzahn, Ginster leuchten um die Wette. Die Buchen strahlen in hellem Grün. Ich genieße jeden Schritt und erlebe sehr bewusst den Weg. Es ist schön die Seele baumeln zu lassen. Leider vergehen die Tage im Flug.

In der Regel ist uns das Wetter sehr wohlgesonnen, aber wir haben auch schon Hagel und Sturm erlebt. Ich erinnere mich, wie in einem Jahr kurz vor Trier mein Regenschirm zusammenbrach.

 

Drei Jahre später

erzählte Richard Jacobs so nebenbei, dass die Trier-Wallfahrt anstand. Spontan entschloss ich mich wieder mit zu pilgern.

Wie freute ich mich, als man mir sagte: Zum Hause des Herrn wollen wir pilgern"

Diesen Leitspruch für das Jahr 1999 konnte ich sehr gut nachvollziehen. Ich wurde wieder gut in die Gemeinschaft aufgenommen und genoss es, durch die Eifel zu laufen. Ich konnte schöne Gespräche führen, aber auch alleine meinen Gedanken nachhängen. Den Rosenkranz beten, meine Familie in die Gebete einschließen, und was mir ganz wichtig war, auch mal ein Stück das Kreuz tragen.


Mitpilger jeden Alters sind willkommen

Im Laufe der Jahre wurde für mich die Gemeinschaft immer intensiver. Ich freute mich das ganze Jahr darauf, mitzugehen. Es geht sehr familiär zu. Ein wunderbarer Brauch ist es, dass auch junge Familien mitgehen. Seit vielen Jahren existiert ein alter Kindersportwagen in dem die Jüngsten geschoben werden. Für die Eltern ein zusätzliche Aufgabe.

 

2009


Markus

Zu den ganz besonderen Erlebnissen gehören die Musikdarbietungen der Familienväter: Christoph an der Orgel, Daniel mit dem Horn. In diesem Jahr unterstützte der inzwischen 10jährige Markus zum ersten Mal seinen Vater Christoph mit seiner Geige.


Der Kaplan, die Messdiener und der Brudermeister

Eine weitere Bereicherung für die Pilger ist sicher der Kaplan der Gemeinde, der im letzten Jahr zum ersten Mal mit pilgerte und in diesem Jahr gleich seine Messdiener motivieren konnte.


Herr Scherz, 
der evangelische Pfarrer in Ehrang

Es wird Ökumene gelebt. In Ehrang dürfen wir seit einigen Jahren im Evangelischen Pfarrzentrum Mittagspause machen. Der Pfarrer lässt es sich nicht nehmen, uns immer zu begrüßen.

Ja, und dann kommen wir in St. Mathias in Trier an. Feierlich wird sich vor der Basilika aufgestellt. Der Pilgerpater Hubert empfängt die Gruppe und geleitet sie in die Kirche. Hier werden dann nach einer kleinen Ansprache die Erstpilger und die Pilger, die 10 und 25 Jahre mitgegangen sind, besonders geehrt.

1996 gehörte ich also zu den Erstpilgern. Es war ein ergreifender Augenblick als ich die Pilgermedaille überreicht bekam. Nun wusste ich, was es heißt: „nach Trier pilgern". Die Strapazen waren schnell vergessen. Artig bedankte ich mich am Abend mit einem Schnaps und fuhr am nächsten Tag nach Hause.


Die drei Erstpilger und drei "Zehnjährigen" mit Kerze

Der Pilgervirus hatte mich erfasst. Dass dies nicht nur bei mir der Fall war, konnte ich im Laufe der Jahre erleben. Es wurden unterwegs Geburtstage gefeiert, sogar einmal Silberhochzeit.

Ich wollte jedes Jahr dabei sein.

Dies ist mir zwar nicht ganz gelungen, aber 2009 war ich dann das 10. Mal dabei.

Nun gehöre auch ich zu denen, die ein Stück der großen Pilgerkerze besitzen.


Überreichen der "Pilgerkerze" durch Bruder Hubert

© Beate Schaepers