St. Matthias Wallfahrt 2014: Auf dem Weg des Friedens
Gedanken dazu entlang einer Pilgerreise in Israel

 

Shalom !

Das ist der gängige Gruß unter Juden in Israel. Shalom bedeutet im Hebräischen Unversehrtheit, sei wohlbehalten, sei im Frieden.

Salem aleikum – und der arabische Gruß im islamischen Teil der Stadt bedeutet auch hier: Friede sei mit Euch.

Schon damals gab Jesus den Friedenswunsch seinen Jüngern mit auf den Weg. Und im gelobten Land, das inzwischen in Israel, Syrien, Palästina und Jordanien geteilt ist, begrüßen sich bis heute die Menschen mit diesem Friedenswunsch – auf beiden Seiten der immer wieder erbittert umkämpften Grenzgebiete.

In Jerusalem, da herrscht lautes Treiben. An den Stätten von Jesu Leid und Kreuzigung wird gedrängelt und geschoben. Im Garten Gethsemane, dort wo Jesus um die Menschen geweint hat, werden alte Olivenbäume bewundert und wird die Sonne genossen. Nur der Pater am Eingang kann gerade noch verhindern, dass ein Tourist auf einem Miet-Esel wie dereinst in den Garten reitet. In der Todesangst- Basilika wird lautstark diskutiert über das wohl beste Fotomotiv. Und in der Grabeskirche posiert man in der Berührung des Steines, auf dem der Leichnam Christi dereinst lag, stolz in die Kamera blickend, ja ich bin dort gewesen, und um vielleicht schnell noch das Gefühl festzuhalten, Gottes Gnade ganz nahe gewesen zu sein.

Und dennoch, ungeachtet der Respektlosigkeit, mit der es am Ort des wohl größten Verbrechens der Menschheit zugeht, inmitten von all dem gibt es Frieden. An den Altären von Gemeinden aus aller Welt versammeln sich ungezählte Menschen zum gemeinsamen Gebet. In Stille und Respekt vor der Würde des Herrn findet in der Gemeinschaft der Messe die Begegnung mit Gott statt, mitten im Tumult.

Vor 2000 Jahren mag es nicht viel anders gewesen sein, als Jesus die Synagogen betrat, lehrte und predigte, und die Menschen zur Umkehr aufforderte. Wie weit sind wir seitdem gekommen?.


Auf dem Schild steht "Welt Friedens Zentrum" in Hebräisch, Arabisch
und Englisch, ...


... aber in Jerusalem ist die Tür zum Frieden verriegelt.

Jesus hatte sich aufgemacht aus der Gegend um den See Genezareth nach Jerusalem, immer auch auf der Flucht vor seinen Verfolgern, mehr als 100km teils quer durch die heiße, trockne und schier endlose israelisch-jordanische Wüste, der Weg weit und sehr beschwerlich. Er verließ seine Heimat, die auch als Ort vieler seiner Wundertaten in der Bibel überliefert ist, das grüne Land der sieben Quellen des Jordan, wo noch heute die Granatapfelbäume wachsen und sich die Klippendachse im Sonnenuntergang am Seeufer tummeln.

Das Benediktinerkloster in Tabgha und die Brotvermehrungskirche sind ein Ort der Ruhe und der Einkehr, ursprünglich und unverbaut. Hier, am See Genezareth, denke ich, hier hast Du mit Deinen Jüngern am Ufer gesessen, hier bist Du gewesen. Und – auf dieser Pilgerreise am Ufer des Sees gemeinsam eine Messe zu feiern, war und ist mehr als Worte sagen können.

Ganz in der Nähe, am Berg der Seligpreisungen erneuerte Jesus in der Bergpredigt die 10 Gebote. Hier fordert er uns Menschen auch zum Frieden auf, und er sagt uns wie das geht. Nicht über andere richten und Vergeltung üben, eben nicht Auge um Auge und Zahn um Zahn, vielmehr, liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen.

Hier geht es aber nicht nur um Frieden entlang umkämpfter Grenzen zwischen Kriegsgebieten. Es geht um die Grenzen zwischen Recht und Unrecht, zwischen Arm und Reich, zwischen Gemeinschaften und Ausgegrenzten, eben zwischen Menschen. Das ist so aktuell wie eh und je und geht mich und uns alle an, heute, jeden Tag.

Der Friedensgruß, den wir uns in jeder Messe einander zusprechen, ist für jeden, dem er mitgegeben wird, ein Glück. Die Aussicht auf Frieden, das ist wie ein Licht im Dunkeln. Doch mit dem eigenen Seelenfrieden und dem Wünschen allein ist es ja nicht getan. Denn man zündet eben nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern setzte es auf einen Leuchter, so leuchtet es denn allen die im Hause sind.

Friede ist also ein Stück Verantwortung für jeden von uns, jeden Tag. Das heißt aber auch, manchmal eben nicht im schönen Nazarener Land zu verweilen, sondern aufstehen und losgehen.


Am See Genezareth ist noch Frieden spürbar.

Frieden versuchen – gelegentlich ist es einfach, ohne großen Aufhebens eine Hand zu reichen oder eine Tür zu öffnen.

Aber manchmal ist es wirklich schwer, Partei zu ergreifen, sich die Zeit zu nehmen oder Risiken für Andere einzugehen.

Am Ende kann für uns selbst alles Mögliche stehen, Dankbarkeit oder Ignoranz, Unterstützung oder Gegenwind, Verständnis oder Ratlosigkeit. Aber darauf kommt es ja nicht an.

In Johannes 14 und weiter in Johannes 16 spricht Jesus so zu uns:

Meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

Solches habe ich mit euch geredet, dass ihr in mir Frieden habet.

© Matthias Müller-Gliemann