Freude und Leid geteilt


Fiedhof bei Kloster Himmerod
Photo: Richard Jacobs

Wenn geteilte Freude sich vervielfacht und geteiltes Leid sich erleichtert ist man unter Freunden. Die Fußwallfahrt mit der St. Matthias Bruderschaft aus St. Tönis ist genau das: ein Zusammentreffen mit Freunden.

Hier ist völlig egal, wer man ist, wo man her kommt, was man verdient oder wie man aussieht. Hier ist jeder willkommen. Hier wird man Teil eines Teams. Hier ist man zusammen und keiner ist alleine.

Ich durfte dieses Jahr bereits zum 19. Mal mit nach Trier gehen und diese Wallfahrt war nicht nur für mich ein besonderes Erlebnis. Ich war gesund, ich war frohen Mutes und ich war motiviert! Wallfahrt bedeutet eben nicht „nur“ beten! Es bedeutet Freunde finden, Freunde treffen, gemeinsam lachen aber auch Leid teilen!

Manche gingen diesen Weg nicht nur für sich, sondern hatten schwere Gedanken anderer Menschen im Gepäck. Wieder andere hatten Verluste erlitten und nahmen dieses Gefühl mit auf den Weg. So fuhren gleich zwei Pilger zwar zur Wallfahrt mit, unterbrachen diese aber, um zu Beerdigungen zu fahren. Das zeigte mir mehr als deutlich den Stellenwert, den die Wallfahrt in den Herzen der Teilnehmer hat.

Der Wecker ging also am Donnerstag für meinen Geschmack viel zu früh. Doch ich freute mich auf die Zeit! Die Luft war klar, der Tag brach an und die Vögel sangen ihr schönstes Lied als wir in das Taxi zum Treffpunkt stiegen. Hier sammelten sich nach und nach alte Hasen und neue Pilger. Neugierige Augen trafen auf freudige Gesichter. Die Müdigkeit wich einer angenehmen Aufregung. So konnte es also losgehen.

Wir wanderten 3 Tage unter dem Motto „Mit Freude umgürtet“ durch die Eifel. Unser Weg führte uns der Sonne entgegen, die extra alle Fenster geputzt hatte, um uns mit ihrem strahlenden Antlitz zu erfreuen, durch die wundervolle Natur der Vulkaneifel. Uns erwarteten endlos scheinende Löwenzahnwiesen und Rapsfelder, matschig weiche Waldböden, lebendige Wälder mit ihren Seen, Bächen und zwitschernden Bewohnern, jedoch auch kleine Hindernisse. So versperrte uns beispielsweise ein umgestürzter Baum den Weg. Doch niemand wurde hier allein gelassen! Jeder konnte dieses Hindernis mit der angebotenen Hilfe bewältigen.

Abends wurde gemeinsam geklönt, gelacht und gesungen, obwohl nach den Strapazen des Tages das Bett laut rief.

Man könnte meinen, nach langen Tagen und fröhlichen Abenden sei das Frühstück ruhig und grummelig. Nicht aber mit dieser Gruppe! Die Laune war schon früh morgens gut. Die Tage starteten mit jeder Menge Pilgern, die guter Dinge waren und sich auf die Strapazen des Tages freuten. Die Beine waren teilweise schwer und die Füße übersäht mit Blasen. Doch das hielt niemanden davon ab, den Weg weiter zu beschreiten. Es war wirklich eindrucksvoll und mit jedem zurückgelegten Kilometer rückte das Ziel der Pilgerreise näher: St. Matthias in Trier, Grabstätte des Apostels Matthias.

Es waren tolle Tage! Ich habe viel für mich mitgenommen. Ich konnte mich mitteilen und fand für manche Situationen Lösungen. Für andere Gedanken fand ich neue Blickwinkel und für mein Herz fand ich Wärme.

Der Weg war ein Abbild des Lebens: manchmal angenehm zu erleben und manchmal schmerzhaft zu überwinden. Es gab Höhen und Tiefen. Doch in der Gemeinschaft lag ein besonderes Gefühl. Wir waren mit Freude umgürtet. Das Motto war Programm!

Auch die schweren Gedanken fanden ihre Zeit. Man sagt, geteiltes Leid ist halbes Leid und in manchen Fällen schienen die Gespräche und das Gefühl nicht alleine mit etwas zu sein, Erleichterung zu verschaffen, gar Knoten zu lösen. Manche Seelen fanden wie durch Fügung ein passendes Gegenstück in der Gruppe, um den Kummer in Stärke zu verwandeln. Der Verlust von Menschen trifft uns hart. Doch offene Herzen helfen, weiter nach vorne zu schauen, Andenken zu wahren und Geschichten größer werden zu lassen.

Wenn man das Gefühl hat, Teil von etwas Großem zu sein, ohne verloren zu wirken, so ist man ein Stück weit zu hause. Ich war zu Hause unter all diesen Menschen. Sicher waren es sehr viele und ich habe nicht mit jedem sprechen können. Trotzdem habe ich neue Freunde gefunden, Freundschaften intensiviert, meine Seele aufgeräumt und tierisch Bock auf nächstes Jahr!

© Michaela Jacobs