StockApp


Dieses Bild war Anlass zum Verlorengehen meines Stockes !
(Foto: Richard Jacobs)

    Ich erinnere mich an meine erste Wallfahrt zum heiligen Matthias nach Trier noch sehr gut. Meine Frau Monika traute sich nicht, mir den wahren Grund einer Wanderung mitzuteilen, an der sie gern mit mir teilnehmen wollte. Sie lud mich im Frühjahr 1977 zu dieser Eifelwanderung mit Pastor Harperscheid ein. Meine Schwiegermutter Kläre schenkte mir aus diesem Anlass einen schönen Wanderstab aus Bambus.
    Dann holten die Mitwanderer auf dem Lieserpfad ihren Rosenkranz heraus, und dieser wurde gebetet. Ich, damals noch Protestant, war seltsam berührt. Die "Eifelwanderung" war also eine Wallfahrt nach Trier.
    Diese Wallfahrt hat bei mir großen Eindruck hinterlassen. Nun gehe ich seit fast 40 Jahren ohne Unterbrechung diesen Weg mit einer nach wie vor wachsenden Pilgergruppe. Der Wanderstab wurde von Jahr zu Jahr für mich eine immer größere Hilfe.
    Bei unserer diesjährigen Wallfahrt am Himmelfahrtswochenende 2015 hatte ich nun ein besonderes Erlebnis mit meinem Stock: Am zweiten Tag hatten wir eine neue Wegstrecke von Gladbach nach Heidweiler zu laufen, und ich wollte ein besonders schönes Motiv fotografieren - aber ein Bildstock, angebracht an einem Baum, sollte nicht mit auf mein Foto. Ich stieß also meinen Wanderstab in die Erde, um meine Kamera besser bedienen zu können. Dann ging es schnell weiter, um die Gruppe wieder einzuholen.
    Abends in der Jugendherberge in Manderscheidt fragte ich Monika dann nach meinem Stock, denn erst da fiel mir auf, dass er mir fehlte. Er war nicht auffindbar. Was nun!? Von unserer Not hörten Karin und Ingrid. Sie wussten, dass sie mir den Stock in Gladbach in der Kirche in die Hand gegeben hatten, und meine Tochter Regina hatte gesehen, dass ich den Stock für das Foto in die Erde gerammt hatte. Sie fragte mich: Willst du den Stock nun wiederhaben oder nicht?
    Also machten wir uns auf den fast einstündigen Weg mit dem Auto nach Gladbach. Dort angekommen war es stockdunkel. Also mussten wir den Wanderweg von Gladbach nach Heidweiler unter erschwerten Bedingungen mit einer Handylampe und einer Kurbeltaschenlampe absuchen. Aber der Stock war nicht zu sehen. Ich gab nach 20 Minuten auf, und wir gingen den gleichen Weg zurück. Auf dem Rückweg haben wir die Bäume und Büsche mit unseren Lampen noch einmal beleuchtet.
    Auf einmal, 10 Minuten vor Gladbach, sah ich den Bildstock, den ich nachmittags nicht auf meinem Foto haben wollte.
    Ich sagte zu Regina: Hier habe ich die Aufnahme gemacht. Hier muss er zu finden sein, falls ihn nicht schon Wanderer mitgenommen haben.
    Ich fand nichts und ging enttäuscht weiter. Regina blieb zurück und gab nicht auf. Plötzlich ein Ruf: Ich habe ihn, ich habe mit Oma gesprochen: "Oma, du hast den Papa in deinem Leben so oft geärgert. Jetzt sorge bitte dafür, dass der Stock wieder auftaucht."
    Tatsächlich, der Stock war wieder da, und wir beide fuhren nach Manderscheidt zurück. Es war inzwischen Mitternacht, und wir waren überglücklich.
    Sebastian Kamman später über das Leucht-Handy mit eingebauter Finde-Funktion: "Das ist ja eine StockApp."

© Richard Jacobs, Tönisvorst