Artikel im "Sankttöniser Heimatbrief"

Sankt Matthiasbruderschaft St. Tönis

Die St. Matthiasbruderschaft aus St. Tönis ist eine sehr lebendige Pilgergemeinschaft die ihren Ursprung bereits im Jahr 1772 hat.

Der ehemalige Konrektor der Kath. Grundschule St. Tönis Heinz Rempe recherchierte in den alten Kirchenbüchern von St. Cornelius. Er fand Eintragungen in den Jahren 1772-1776 von Trierpilgeropfer (6-18Stüver - zur damaligen Zeit etwa 4 Pfennige - oblata a peregrinantibus Treveros circiter).

Ein weiteres Indiz für die lange Tradition findet sich in Trier. Hier gibt es ein Pilgerschild mit der Aufschrift „ Pfarrei St. Tönis 1878".

Der damalige Pfarrer an St. Cornelius, Pfarrer Peter Matthias Harperscheidt, ein begeisterte Wanderer, lud interessierte Mitstreiter aus seinem Familienkreis ein, mit ihm nach Trier zu wandern.

So gingen 19 Wanderer am 20. Oktober 1974 vom Gemündener Maar bis Quint zu Fuß. Die Aufnahme dann in Trier durch den damaligen Pilgerpater Pater Petrus war sehr herzlich, so dass beschlossen wurde von nun an jährlich zum Heiligen Matthias zu pilgern.

Die Jahreslosung 1975 lautete „ Erneuert im Heiligen Geist" und passte zu der Tradition die nun ab 1974 ihre Fortsetzung in der Neuzeit fand.

Im Mai des Jahres 1975 machten sich erneut 23 Pilger auf den Weg. Die Natur in der Eifel zeigt sich in dieser Zeit von der prächtigsten Seite, Waldveilchen, Löwenzahn und Ginster leuchten um die Wette. Die Buchen strahlen in hellem Grün.

Der Weg führt in drei Tagen vom Gemündener Maar bei Daun, vorbei an den Flüssen Lieser, Salm und Kyll nach Manderscheid und weiter zum Zisterzienserkloster Himmerod und durch den Niersbacher Wald bis Trier.

Übernachtet wird seit 1977 an allen Tagen in Dodenburg.



Wurde nun zunächst in den kommenden Jahren die Fahrt bis zum Gemündener Maar mit den eigenen Pkws organisiert, hatte man später mit einem Busunternehmen aus Niersbach- Greverath eine Vereinbarung getroffen. Die Pilger werden nun am Donnerstagmorgen nach der Messe in St. Tönis abgeholt und bis zum Gemündener Maar gefahren.

Nach zehn Jahren gemeinsamen Pilgerns stellten die St. Töniser Pilger auf Anraten des damaligen Abtes Ansgar den Antrag auf Aufnahme in die Erzbruderschaft.

Am 3.Juni 84 wurde die Gruppe offiziell und feierlich im Hochamt in der Basilika St. Matthias in die Erzbruderschaft aufgenommen. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits einige Pilger zum 1o. Mal dabei und erhielten eine besondere Pilgerkerze. Inzwischen sind 264 Erstpilger zum Hl. Matthias, Trier gegangen. Aus der Gruppe der Pilger die 1974 das erste Mal mitgingen ist Heiner Aldenkirchs heute noch dabei. Viele St. Töniser sind 30mal und mehr mitgepilgert. Es wurden unterwegs Geburtstage gefeiert und auch eine Silberhochzeit konnte das Jubelpaar nicht davon abhalten mit zu pilgern. Ein wunderbarer Brauch ist es, dass auch junge Familien mitgehen. Seit vielen Jahren existiert ein alter Kindersportwagen in dem die Jüngsten geschoben werden. Für die Eltern eine zusätzliche Aufgabe.

Im Jahr 2000 wurde der Pilger Michael Datene zum Priester geweiht. Seine Ortsprimiz in St. Cornelius feierten alle Pilger mit ihm.

Zu den ganz besonderen Erlebnissen unterwegs in den Kirchen, gehören seit vielen Jahren die Musikdarbietungen der Familienväter Christoph Ungermanns an der Orgel und Daniel Steffens auf dem Horn.

Auf dem Weg wird nicht nur gebetet und gesungen, es werden viele gute Gespräche geführt, Freundschaften vertieft und man kann auch mal die Seele baumeln lassen.

Die Pilger Lucie Czapiewski und Michael Kronsbein sowie der Brudermeister Richard Jacobs sind den Weg von St. Tönis bis Trier komplett zu Fuß gegangen. Es gibt Pilger, die selbst nach ihrem Umzug in andere Städte, jedes Jahr pünktlich zur Trier-Wallfahrt kommen und mitpilgern. Für die Pilger die den Weg nicht mehr zu Fuß schaffen, wird im Juni sogar eine Tagesbusreise organisiert.

Die Pilgergruppe wurde von 1974 bis 1981 von Michael Frohn als Brudermeister geleitet. Bei der Wallfahrt 1981 gab er das Amt des Brudermeisters aus gesundheitlichen Gründen an Richard Jacobs ab. Michael Frohn starb Anfang November des gleichen Jahres, nicht ohne folgendes Vermächtnis zu hinterlassen.

Im Herbst 1980 wurde vom Brudermeister Michael Frohn und seinem Nachfolger Richard Jacobs an einer irreführenden Weggabelung im Niersbacher Wald eine Wurzel so platziert, dass sie in die richtige Richtung wies. 10 Jahre lang wies die Wurzel getreu und unangetastet den Weg. Deshalb entschlossen sich die Pilger an dieser Stelle ein Kreuz zu errichten. Es wurde aus einer im Frühjahrssturm 1990 gefallenen Lärche aus dem Krefelder Forstwald gebaut. Das Kreuz baute der Tischlermeister und langjährige Pilger Franz Esser mit Hilfe der Pilger Rolf Laurentius, Richard Jacobs und Heiner Aldenkirchs. Am 25. Mai 1990 weihte Pastor Beenen, St. Tönis und Pater Hubert, Trier, dieses Kreuz feierlich ein.

Franz Pitsch aus Niersbach, der den St. Tönisern sehr verbunden ist, pflegt und schmückt das Kreuz mit Blumen und empfängt jedes Jahr die Gruppe am Kreuz. Seine Verbundenheit rührt aus den Jahren, als er in amerikanischer Kriegsgefangenschaft in Krefeld von Krefelder Bürgern mit Lebensmitteln versorgt wurde.

Die Gemeinschaft der St. Matthiasbruderschaft hat das ganze Jahr Kontakt zueinander. Seit 1983 erfolgt eine Wallfahrt nach Klein Jerusalem. Die Bruderschaften des Niederrheins haben diese Wallfahrt aus dem Gedanken der Friedenssternwallfahrt initiiert. Sie findet jedes Jahr am Vortag von Palmsonntag statt. Ebenso wird am letzten Samstag im Oktober seit 1986 zur St. Matthiaskirche in Hohenbudberg gepilgert.

Im November jeden Jahres findet am Buß- und Bettag ein Treffen der St. Matthiasbruderschaften des Bezirks Niederrhein statt. Dieses Treffen wurde bereits zweimal durch die Matthiasbruderschaft St. Tönis organisiert.

Nun hat im Jahr 2011 eine neue Ära begonnen. Der Brudermeister Richard Jacobs hat sein Amt nach mehr als 30 Jahren in die Hände einer Frau abgegeben.

Die neue Brudermeisterin ist Marianne Kronsbein.

Der Abschluss eines jeden Jahres ist im Dezember der Adventskaffee im Marienheim, bei dem sich alle Pilger schon auf das kommende Jahr freuen, wenn es wieder heißt: „Wir pilgern nach Trier".

© Beate Schaepers